Impuls zum Erntedank - Danke für alles oder für gar nichts

PreviewBild

02.10.2021, 20:42 Uhr

Von Felix Kalder, Pfarrer im Altenburger Land

„Lieber Gott, ich danke dir für gar nichts, denn wir haben alles selbst bezahlt.“ So betet Bart Simpson in einer Folge der gleichnamigen Trickfilmserie vor dem Essen, als er von den Eltern aufgefordert wird, das Tischgebet zu sprechen. Ganz schön frech! – denke ich mir, aber irgendwie auch ziemlich lustig und auf jeden Fall ein guter Einstieg für ein Gespräch über Dankbarkeit…

An diesem Wochenende feiern Menschen das Erntedankfest. Sie bringen Früchte, die in ihrem Garten oder auf dem Feld gewachsen sind, mit in den Gottesdienst und legen sie vor den Altar. Auch Lebensmittel, die sie im Supermarkt gekauft haben, sind dabei. Sie schmücken ihre Kirchen mit Blumen und Erntekronen. Und dann sagen sie: „Lebendiger Gott, wir danken dir für alles, denn ohne deinen Segen stünden wir mit leeren Händen da.“ Natürlich wissen die Leute so gut wie Bart Simpson, dass sie die Sachen selbst bezahlt haben. Und natürlich wissen sie, wie viel eigene Mühe in so einer Tomate aus dem Garten steckt. Aber sie entdecken an diesem Tag in allem den Segen Gottes, der die Früchte wachsen lässt und die Kraft zum Säen und Gießen schenkt. Ein Lied, das in den meisten Gottesdiensten zum Erntedankfest gesungen wird, sagt es so: „Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.“ Zu Erntedank wird eine bestimmte Sichtweise eingeübt. Menschen sehen hinter der Fülle der Gaben den gütigen Schöpfer und wie in der eigenen Mühe der Segen Gottes fließt.

Man kann für gar nichts dankbar sein oder für alles – das ist letztlich eine Frage der Haltung. Meine Erfahrung ist, dass ich dankbar fröhlicher bin. Und die Erkenntnis, dass ich nicht aus mir selber lebe, macht mich frei.